28 Feb 2021 - Grüner Himmel



Grüner Himmel

Schwer sitzen die Geschehnisse des gestrigen Abends in den Knochen der Bewohner der kleinen Stadt am Meer und noch immer steigt der grüne Strudel in Richtung Himmel, als wäre er ein beständiges und unzerstörbares Mahnmal des Hohnes. Gespiesen wird der Strudel von vier weiteren Säulen. Zwei aus östlicher und nordöstlicher Richtung. Zwei aus Südwestlicher und Südwestlicher Richtung.

Eine Delegation war es, die der Amir am gestrigen Abend in Richtung Posten Namuru Mayit entsendet hat. Doch die Verhandlungen schienen für alles andere als für Frieden zu sorgen. Viel mehr war der Bärenhain zumindest ab diesem Abend nicht mehr das, was er einst für die Städter war. Ein Ort der Ruhe, der Wildnis und der Natur, der nun aber im ewig währenden Zwielicht lag und damit sowohl Pflanzen als auch Tiere leiden liess.

Der Nekromant, sagt man, ist dafür verantwortlich. Unschwer zu erkennen bei dem Präsenz des Untodes, die seit just diesem Tag den Posten und seine Umgebung dominierte. Grabesruhe nur durchbrochen von Gestöhne und Geächze jener Diener, die niemals Schlaf, oder Verpflegung benötigen würden. Unbekehrbar, unaufhaltsam, untot.

Das Wort des Kämmerers der Amira, denn genau dieser entpuppte sich angeblich als der Urheber dieses Übels, echote noch lange im Mund der Bevölkerung. Mal wahrheitsgemäss gesprochen, dann ausgeschmückt mit vielen absurden Details war auf den Strassen schon bald nicht mehr ganz klar, ob man es mit einem handelsüblichen Wald-und-Wiesen-Nekromant, oder Kel'thuzad höchstpersönlich zu tun hat.
Was aus der Amira Jahanshar geworden ist, scheint derzeit jedoch noch unklar. Einige behaupten steif und fest sie wäre die Nekromantin gewesen. Andere wiederum sagen sie wäre bei der Übernahme des Postens durch die Hand ihres eigenen Hauptmannes gefallen. Wieder andere sprechen von ihrer Rettung. Unklar bleibt im Volksmund jedoch weiterhin ihr Verbleib, ob nun tot, untot oder lebendig.

Verstummt die Natur, schreit der Humanoide nur noch lauter und genau das wird dieser Tage auch in Tel Avadi der Fall sein. Hysterische Frauenstimmen, gepaart mit waffenwetzendem Männerbrummen. Die Schule geschlossen, die Strassen oft einsam.  Marktstände, die in Sorge um Leib und Leben leergeräumt werden, schreiende Kinder und dazwischen Soldaten in Reih und Glied. Wachsam und nur selten von einem Feenstaubabhängigen angerempelt mit den Worten: «Nu… jetzt wünschtes du dir auch, dass du eine andere Laufbahnentscheidung getroff’n hättest, wa?»




Kursierende Worte des Nekromanten I




Kursierende Worte des Nekromanten II